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Glückliche Fügungen -
zufällig oder folgerichtig - der 'Sache' mit den Buchstaben räumten sie in meinem Leben einen wichtigen Platz ein.
Das Feuer wurde entfacht, als mir sechsjährig ein Federkasten meines Großvaters in die Hände fiel. Heute eines der wenigen von mir durch die Jahrzehnte geschleppten und unzählige Umzüge überlebten Heiligtümer - der Kasten mit den vielen Schreibfedern, fein sortiert nach Art und Größe.
Ich betrat eine Welt, deren Faszination ich mich nie mehr entziehen konnte und die mir noch heute zuweilen Herzrasen verursacht, wenn man auf besonders schöne typo- oder kalligrafische Ausführungen stößt.
Leider bot die gesamte Schulzeit nur wenig, genauer gesagt: überhaupt keine Gelegenheit, auch nur wenig mehr darüber zu erfahren, als die Tatsache, dass unser Alphabet 26 Buchstaben hat, was durchaus als kritische Anmerkung verstanden werden darf.
Doch schon in der Lehrzeit und später im Studium hatte ich das Glück, Schriftmeister und Typografen zu treffen wie z. B. Karl-Heinz Lange, deren Wissen und eigene Begeisterung das Typo-Feuer in mir neu auflodern ließen. Der Weg war bereitet - und ich für immer infiziert.
Nun ist besagter Federkasten nicht nur die letzte Reliquie eines Vorfahren, der mich nachhaltig beeinflusste, sondern auch der ´lebende´ Beweis, dass ich sozusagen der Kunst des Schönen Schreibens den Zufall meiner Geburt verdanke. Damit ist sie für mich existenziell und ich bin nachgerade (oder buchstäblich) verpflichtet, diese Tradition fortzusetzen.
Folgende Geschichte ist überliefert. Meine Großmutter, die Anfang der 30er Jahre zusammen mit ihrer Schwester in einer WG lebte, erhielt ab irgendwann auf sämtlicher Post einen »Zu-Satz« in schönstem Sütterlin: ... »viele Grüße von Erich«. Der Sache nachgegangen, ergab, dass gewisser Erich der Postbote der beiden Damen war. Einer, der seinen Beruf nicht nur liebte sondern auch lebte und der als Spross eines Oberpostrates offensichtlich nicht gewillt war, seine Geschicke dem Zufall zu überlassen.
Er verguckte sich in meine Großmutter und brachte für ihre Schwester seinen Freund mit. So einfach war das damals ... Wer schreibt, der bleibt nicht nur; er erreicht auch noch manch´ anderes Ziel.
Erich schrieb - und Erich blieb. Und mit ihm kam der Federkasten. Vermutlich bekam auch er ihn vom Oberpostrat (meinem Urgroßvater), als er sechsjährig begann, in die Welt der Buchstaben und Tinten einzutauchen. Eine klar besitzerklärende Maßnahme, ein eingeritztes (!) »Erich«, zeigt noch einen deutlich kindlichen Duktus. Es sagt (mir) außerdem, dass der kleine Erich noch anderes Werkzeug besaß, als Schreibfedern und auch damit umzugehen verstand. Sicher hätte er seiner Angebeteten die Botschaft auch in Stein meißeln können - in vollendeter Capitalis Monumentalis.
Mein verwandter Verwandter
Dem Vater meiner Mutter blieb nicht die Zeit, seine Tochter in die Geheimnisse der Schriftkunst einzuweihen. 1939 musste er die Postuniform unfreiwillig gegen eine andere eintauschen ... Ich habe ihn nicht kennenlernen können. Geblieben sind Spuren, Fotos und Überlieferungen, die mir zeigen, wie sehr dieser Verwandte einer von mir ist.
Neben der Welt mit den Buchstaben taten sich mir noch andere Wunderwelten auf, die bisweilen meine Aufmerksamkeit von den Schriften ablenkten. Doch begegnen einem Sprache und Schrift immer und überall und ließen mich deshalb immer zu dem Handwerk zurückfinden, in dem ich heute meine Dienstleistung anbiete. Hier bin ich einfach zu Haus!

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